Pendeluhr und Funkwanduhr nach der Zeitumstellung prüfen

Am letzten Oktobersonntag stellen Millionen Menschen ihre Uhren zurück, und die meisten sind in zwei Minuten fertig. Wer aber eine mechanische Pendeluhr an der Wand hängen hat, oder eine Funkwanduhr, die trotz DCF77-Empfänger nach der Nacht noch auf Sommerzeit steht, merkt schnell: hier braucht es mehr als einen Griff an den Zeiger. Ein Uhrmacher berichtete zuletzt, dass er nach der Zeitumstellung über 300 mechanische Uhren von Hand nachstellen muss. Wer zuhause eine oder zwei Pendeluhren besitzt, sollte wissen, was dabei zu beachten ist.
Dieser Artikel erklärt, was die Umstellung auf Winterzeit für Pendeluhren bedeutet, wie eine Funkwanduhr den Wechsel automatisch verarbeitet und was zu tun ist, wenn sie es nicht tut. Dazu kommen eine Schritt-für-Schritt-Anleitung zum Umstellen, eine Anleitung zur Gangkontrolle und die häufigsten Fehler, die beim Umstellen auftreten.
Was die Zeitumstellung für mechanische Pendeluhren bedeutet
Eine mechanische Pendeluhr zeigt die Zeit über ein Räderwerk, das durch eine Zugfeder oder ein Gewicht angetrieben wird. Das Pendel gibt den Takt vor: Je länger das Pendel, desto langsamer schwingt es und desto langsamer läuft die Uhr. Die Zeitumstellung selbst ändert an diesem Mechanismus nichts. Was sie aber erzwingt, ist ein manueller Eingriff in die Zeigerstellung, und dabei gibt es Regeln, die mechanische Uhren von Quarzuhren unterscheiden.
Hinzu kommt ein physikalischer Effekt, der im Herbst relevant wird: Temperatur beeinflusst die Pendellänge. Ein Stahlpendel dehnt sich bei Wärme aus und wird minimal länger, bei Kälte zieht es sich zusammen. Ein längeres Pendel schwingt langsamer, ein kürzeres schneller. Die Gangreserve ändert sich also mit den Jahreszeiten. Wer seine Pendeluhr im Sommer auf punktgenauen Gang eingestellt hat, kann nach der Heizperiode eine leichte Abweichung feststellen. Das ist kein Defekt, sondern Physik, und lässt sich mit der Pendelschraube korrigieren.
Funkwanduhr: automatischer Empfang und was zu tun ist, wenn er ausbleibt
Funkuhren, also Uhren mit einem DCF77-Empfänger, empfangen ein Zeitsignal des Langwellensenders in Mainflingen bei Frankfurt. Dieser Sender wird von der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt in Braunschweig betrieben und übermittelt die gesetzliche Zeit für Deutschland. Das Signal trägt unter anderem eine Ankündigung der bevorstehenden Zeitumstellung, sodass eine funkgesteuerte Uhr in der Nacht vom letzten Oktobersonntag automatisch auf Winterzeit wechselt, ohne dass der Besitzer eingreifen muss.
Die Reichweite des Senders beträgt bis zu 2.000 Kilometer, deckt also ganz Deutschland und weite Teile Europas ab. Trotzdem kann der Empfang gestört sein. Typische Ursachen:
- Metallgehäuse oder Metallregale in unmittelbarer Nähe der Uhr
- Betonwände mit starker Armierung zwischen Sender und Empfänger
- Elektrische Geräte wie Schaltnetzteile, Router oder LED-Trafos in der Nähe
- Hängelage: Uhren, die flach auf dem Tisch liegen statt senkrecht an der Wand, empfangen schlechter
Wenn eine Funkwanduhr nach der Zeitumstellung noch die falsche Zeit zeigt, muss man nicht sofort manuell eingreifen. Viele Geräte starten den Empfangsversuch nachts zwischen 1 und 3 Uhr, wenn die Störstrahlungen am geringsten sind. Wer bis zum nächsten Morgen wartet und die Uhr dann immer noch falsch geht, kann einen manuellen Synchronisationsversuch starten: Dazu die Uhr an einem empfangsfreundlichen Ort, etwa nahe einem Fenster in Richtung Südwesten, für eine Nacht hängen. Die meisten Geräte haben keine eigene Empfangstaste; der Empfang läuft automatisch im Hintergrund.


Pendeluhr Schritt für Schritt auf Winterzeit umstellen
Das Zurückstellen einer mechanischen Pendeluhr um eine Stunde klingt einfach, birgt aber einen häufigen Fehler: den Minutenzeiger rückwärts drehen. Bei vielen mechanischen Werken, besonders bei Uhren mit Schlagwerk oder Westminster-Gong, darf der Minutenzeiger nur vorwärts bewegt werden. Wird er rückwärts gedreht, können Schlaghämmer, Auslösestifte oder die Hemmung beschädigt werden.
Die richtige Methode: vorwärts stellen
Auch wenn die Uhr um eine Stunde zurückgestellt werden soll, dreht man den Minutenzeiger um elf Stunden vorwärts. Das klingt aufwendig, ist aber bei Uhren mit Schlagwerk zwingend. Bei Pendeluhren mit Viertelstunden-Gong wartet man nach jedem Viertel kurz, bis das Schlagwerk vollständig ausgelöst hat, bevor man weiterdreht. Zu schnelles Drehen lässt das Schlagwerk nicht vollständig ausschwingen und kann zu Fehltakten oder einem Steckenbleiben des Werks führen.
Pendel anhalten und wieder anstossen
Wer die Zeiger einstellt, sollte vorher das Pendel anhalten. So läuft das Werk während des Einstellens nicht weiter und man vermeidet, dass Zeiger und Schlagwerk auseinanderlaufen. Nach dem Stellen das Pendel mittig halten und leicht anschwingen lassen. Ein gleichmässiger Ticktack-Takt zeigt an, dass das Werk im Lot hängt. Ein ungleichmässiges Geräusch, also kurze-lange-kurze Abstände statt gleichmässiger Abstände, deutet auf eine schiefe Aufhängung hin.
| Uhrentyp | Zeigerrichtung beim Umstellen | Besonderheit |
|---|---|---|
| Mechanische Pendeluhr ohne Schlagwerk | Vorwärts oder rückwärts möglich | Rückwärtsdrehen prüfen, ob Werk es erlaubt |
| Mechanische Pendeluhr mit Schlagwerk oder Gong | Nur vorwärts | Nach jedem Viertel kurz warten |
| Funk-Pendeluhr (DCF77) | Automatisch oder manuell vorwärts | Empfang abwarten, erst nach 24 h manuell eingreifen |
| Quarz-Pendeluhr ohne Funk | Meist rückwärts möglich | Betriebsanleitung prüfen |
Ganggenauigkeit nach der Umstellung prüfen und nachregeln
Nach der Zeitumstellung lohnt sich eine Gangkontrolle über zwei bis drei Tage. Dazu notiert man die genaue Uhrzeit beim Stellen und vergleicht sie nach 48 oder 72 Stunden mit einer Referenzzeit. Als Referenz eignet sich eine Funkuhr, ein Smartphone (das die Zeit per Netzwerk bezieht) oder die Zeitansage im Rundfunk.
Pendelschraube einstellen
Geht die Pendeluhr nach, also zeigt sie nach 24 Stunden weniger Zeit als vergangen ist, muss das Pendel kürzer werden. Die Pendellinse, das ist die scheibenförmige Masse am unteren Ende des Pendelstabs, wird dazu nach oben gedreht oder geschoben. Die meisten Pendeluhren haben dafür eine Rändelmutter unterhalb der Linse: eine Vierteldrehung im Uhrzeigersinn hebt die Linse an und beschleunigt den Gang. Läuft die Uhr vor, dreht man die Mutter gegen den Uhrzeigersinn.
Wie stark eine Vierteldrehung wirkt, hängt von der Pendellänge ab. Bei einem kurzen Pendel von 30 cm kann eine halbe Umdrehung mehrere Minuten pro Tag ausmachen. Bei einem langen Pendel von 80 bis 90 cm, wie es in vielen klassischen Großpendeluhren vorkommt, ist der Effekt je Umdrehung deutlich kleiner. Kleine Korrekturen, Abwarten, neu messen ist die richtige Vorgehensweise.

| Symptom | Ursache | Korrektur |
|---|---|---|
| Uhr geht nach (zu langsam) | Pendel zu lang | Pendellinse nach oben drehen (Mutter im Uhrzeigersinn) |
| Uhr geht vor (zu schnell) | Pendel zu kurz | Pendellinse nach unten drehen (Mutter gegen Uhrzeigersinn) |
| Ungleichmässiger Takt | Uhr hängt schief | Lot prüfen, Wandbefestigung korrigieren |
| Uhr bleibt stehen | Werk nicht aufgezogen oder Pendel steht | Aufziehen, Pendel neu anstossen, Werk auf Verschmutzung prüfen |
Weitere Hinweise zur laufenden Pflege und zur Gangkontrolle über die Jahreszeiten finden sich im Artikel Pendeluhr und Funkgrossuhr pflegen: Ganggenauigkeit und Reinigung.
Typische Fehler und wie man sie vermeidet
Die meisten Schäden an Pendeluhren entstehen nicht durch Verschleiss, sondern durch falsche Handgriffe beim Umstellen. Die häufigsten Probleme und wie man ihnen ausweicht:
- Minutenzeiger rückwärts drehen bei Schlagwerk: Wie oben beschrieben, kann das Auslösemechanismus und Hämmer beschädigen. Immer vorwärts stellen und nach jedem Viertel warten.
- Zeiger direkt anfassen: Viele Zeiger sind auf Vierkantachsen aufgesteckt und lassen sich verbiegen. Den Minutenzeiger möglichst nur über den dafür vorgesehenen Knopf oder die Welle drehen, nicht am Zeiger selbst ziehen.
- Pendel zu stark anstossen: Ein zu starker Anstoss führt zu einer übermässigen Schwingamplitude, das Werk kann dabei aus dem Takt geraten oder die Hemmung überspringen. Das Pendel braucht nur eine kleine, gleichmässige Anfangsbewegung.
- Uhr nach dem Umstellen nicht lotrecht hängen: Hängt die Uhr schief, läuft das Pendel ungleichmässig. Das hört man am Takt: statt gleichmässigem Tick-Tack klingt es wie Tick-Tack mit unterschiedlichem Abstand.
- Funk-Pendeluhr manuell verstellen, bevor der Empfang versucht hat: Wer sofort nach der Nacht manuell eingreift, kann einen laufenden oder bevorstehenden Empfangsversuch stören. Besser 24 Stunden abwarten.
Einen guten Überblick über die Grundregeln beim Einstellen verschiedener Uhrentypen bietet auch der Artikel Pendeluhr und Funkuhr zur Zeitumstellung vorbereiten.
Für alle, die eine Funkwanduhr ohne Pendel betreiben und sich fragen, wie das DCF77-Signal genau funktioniert und warum Funkuhren den Wechsel normalerweise zuverlässig selbst durchführen, erklärt der Artikel Zeitumstellung: Warum Funkuhren den Wechsel selbst erledigen die technischen Hintergründe.
Hintergrundinformationen zur Zeitumstellung und zum DCF77-Sender bietet die Übersicht des NDR zur Zeitumstellung 2026, die auch den Taktgeber in Braunschweig und die Signalreichweite erläutert.